Wiesen-Bärenklau entdecken. Das Wildgemüse im Porträt – so erkennst du ihn sicher

Wenn du das Glück hast, in der Nähe von feuchten, nährstoffreichen Wiesen zu wohnen, kannst du dich freuen: Dort wächst oft der Wiesen-Bärenklau – und der kann dich über Monate hinweg mit frischem, schmackhaftem Blattgemüse versorgen.

Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)

Der Wiesen-Bärenklau ist eine zweijährige, krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Man findet ihn häufig auf feuchten Wiesen, entlang von Gräben, an Ufern und Waldrändern, auf Lichtungen oder entlang von Wegen. Da er robust und anspruchslos ist, kann er je nach Standort zwischen etwa 30 Zentimetern und bis zu 1,5 Metern hoch werden. Verbreitet ist der Wiesen-Bärenklau in Europa, Asien und Nordamerika – und auch in Gärten und Parks ist er zu finden.

Wuchs und Erscheinungsbild

Der Wiesen-Bärenklau ist eine ausdauernde Staude und kann – vor allem in dicht bewachsenen Hochstaudenfluren, wo sich alles nach oben streckt – bis zu 1,5 Meter hoch werden. Auf offenen Wiesen bleibt er meist deutlich kleiner und erreicht etwa 50 bis 60 Zentimeter. Wird er im Mai oder Juni geschnitten, treibt er erneut aus, wächst noch einmal auf 30 bis 50 Zentimeter heran und blüht im Hochsommer oft sogar üppiger als zuvor im späten Frühjahr.

Die Pflanze ist auffallend borstig behaart. Ihr Blattstängel ist kantig, leicht gefurcht und innen hohl. Die Form des Stängels erinnert an eine Regenrinne – das Regenwasser wird so sehr effizient vom Blatt zur Wurzel geleitet. Die mattgrünen Blätter wachsen wechselständig und sind als große Fiederblätter ausgebildet, die etwa 20 bis 50 cm lang werden können. Die einzelnen Fiederblättchen sind gelappt, jedoch nicht weiter unterteilt, und besitzen einen grob gezähnten Blattrand.

Vorsicht: Die feinen Härchen an den Stängeln können bei Hautkontakt Reizungen auslösen – man spricht dabei auch von „Wiesen-Dermatitis“. Um das zu vermeiden, ist es beim Ernten sinnvoll, Handschuhe zu tragen.

Die kleinen, weißen Blüten des Wiesen-Bärenklaus stehen in charakteristischen Doppeldolden und erscheinen meist von Mai bis in den September hinein. Besonders spannend: Die Randblüten sind asymmetrisch aufgebaut. Ihre nach außen gerichteten Kronblätter sind deutlich größer als die inneren – ein raffinierter Trick, denn so wirkt die ganze Dolde auffälliger und zieht bestäubende Insekten stärker an.

Nach der Blüte bilden sich ovale Samen, die rundum mit schmalen Flügelflächen versehen sind. Sie können bis zu etwa 1 cm groß werden.

Unterscheidung zum Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)

Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem Kaukasus und wird deshalb auch als Kaukasischer Bärenklau bezeichnet. Ursprünglich wurde sie als Garten- und Futterpflanze eingeführt, hat sich aber inzwischen stark ausgebreitet. Heute gilt sie vielerorts als invasiver Neophyt und steht entsprechend auch auf der sogenannten „Schwarzen Liste“ problematischer Arten.

Zwischen Wiesen-Bärenklau und Riesen-Bärenklau kommt es leicht zu Verwechslungen – und genau deshalb lohnt es sich, die Unterschiede gut im Kopf zu behalten. Der Riesen-Bärenklau gehört nämlich zu den Wildpflanzen, die starke Hautreaktionen auslösen können. Diese können wie Verbrennungen wirken und sind sehr schmerzhaft. Aufgrund seines hohen Gehalts an phototoxischen Stoffen gilt er als giftig.

Unterscheiden lassen sich die beiden Arten vor allem über ihre Größe: Der Riesen-Bärenklau wird deutlich höher und kann bis zu 5 Meter erreichen. Auch seine Blätter sind beeindruckend groß und werden bis zu einem Meter lang. Der Stängel ist stark gefurcht und erinnert durch seine Form an Rigatoni-Nudeln. Die Blüten unterscheiden sich ebenfalls: Bei Heracleum mantegazzianum zeigen sie oft auffällige grünliche Streifen, während der Wiesen-Bärenklau deutlich schlichter wirkt.

Wiesen-Bärenklau in der Wildküche

Der Wiesen-Bärenklau ist reich an verschiedenen Mineralstoffen und Spurenelementen wie Kalium, Magnesium, Calcium und Eisen. Auch bei den Vitaminen kann er punkten: Besonders hoch ist der Gehalt an Vitamin C sowie Provitamin A (Beta-Carotin).

Auffällig ist außerdem sein vergleichsweise hoher Zuckergehalt von bis zu etwa 10 Prozent. Zudem enthält er ätherische Öle mit sogenannten Furocumarinen. Diese Stoffe können bei empfindlichen Menschen durch Hautkontakt eine Photosensibilisierung auslösen – also eine erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. In starken Fällen kann es dadurch zu hautähnlichen Verbrennungen kommen.

Im Vergleich zu Kopfsalat enthält Wiesen-Bärenklau ca. 15% weniger Wasser, 7x mehr Calcium (75mg auf 100g), ca. 10x mehr Calcium (320 mg auf 100g), 3x mehr Eisen (3,2 mg auf 100g) und 20x mehr Vitamin C (291 mg auf 100g).

Quelle: FRANKE, W. Wildgemüse, Bonn: AID 1987 S. 8-11

Die jungen Blätter können vor der Blüte und nach der ersten Mad (Ende Mai/Anfang Juni) wie Spinat gedünstet oder als Füllung in Quiche oder Auflauf verwendet werden.

Rezept für Spargelgemüse mit Wiesen-Bärenklau

Spargel gehört für viele in der Küche von April bis Juni dazu – kaum ein anderes Gemüse steht so sehr für diese Zeit. Eine besondere Note bekommen Spargel-Gerichte mit Wiesen-Bärenklau.
Der Geschmack des aromatischen Wildgemüses erinnert geschmacklich am ehesten an eine Mischung aus jungen Karotten, Petersilie und einem Hauch Sellerie – leicht süßlich, mild würzig.

Das Originalrezept stammt von Renate Blaes: https://kochlust.renateblaes.de/gemuese-aus-spargel-und-wiesenbaerenklau/

Zutaten für 2 Portionen:

  • 500 g weißer oder grüner Spargel
  • 8 Blätter mit Stängel vom Wiesen-Bärenklau
  • 2 Schalotten
  • 6-8 Cocktailtomaten
  • 6 EL Olivenöl
  • 50 ml Weißwein
  • Salz/Pfeffer

Zubereitung:
Den Spargel ggf. schälen und in mundgerechte Stücke schneiden.
Die Stängel des Wiesen-Bärenklaus ebenfalls in Stücke schneiden und die Blätter grob zerpflücken.
Die Schalotte schälen und in feine Scheiben schneiden.

Das Öl in einer Pfanne erhitzen und die Schalottenscheiben darin glasig anbraten. Anschließend die Spargelstücke dazugeben und etwa 8 Minuten unter gelegentlichem Wenden braten.
Dann die Wiesen-Bärenklau-Stängel sowie die halbierten Cocktailtomaten hinzufügen und alles weitere 2-3 Minuten garen.

Zum Schluss die Blätter des Wiesen-Bärenklaus unterheben und noch 3–4 Minuten mit braten. Mit Weißwein ablöschen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Guten Appetit!

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